Mythologie der Welt

HouYi

Vor undenklichen Zeiten gebar die Sonnengöttin Xīhé dem Gott des östlichen Meeres, Dìjùn, zehn Söhne. Gemeinsam lebten die Sonnenkinder weit östlich des Meeres in einem großen Teich. Jeden Tag badeten und spielten sie in diesem Teich, so dass sein Wasser zu allen Jahreszeiten siedend heiß war. Mitten in diesem Teich wuchs ein gewaltiger, riesengroßer Maulbeerbaum, der Fúsāng genannt wurde. In seinen zehn großen Astgabeln ruhten sich die zehn Sonnen täglich aufs Neue aus. Doch selbst wenn es den Anschein hatte, führten die Sonnenbrüder trotzdem kein müßiges Leben. Der Himmelskaiser hatte ihnen die Aufgabe zugewiesen, den Menschen Licht und Wärme zu bringen. Jeden Tag früh am Morgen sollte einer von ihnen im Osten aufbrechen, am weiten Himmel seine Bahn ziehen und im Westen endlich wieder niedergehen. So war jeder der Sonnenbrüder nur alle zehn Tage an der Reihe, die Welt zu bescheinen. Nach einiger Zeit jedoch waren die Brüder damit unzufrieden. Wie belanglos war der Teich und wie unterhaltsam dagegen die Menschenwelt. Und immer mussten sie neun Tage warten, bis sie wieder an der Reihe waren, die abwechslungsreiche und wunderbare Welt von oben zu betrachten.

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Eines Tages setzten sich die zehn Sonnenbrüder zusammen und unterhielten sich über ihren Unmut. Sie klagten sich gegenseitig ihr Leid wie öde ihr Leben und wie ungerecht es vom Himmelskaiser sei, dass sie nicht alle jeden Tag durch die interessante Menschenwelt streifen durften. Zwar äußerten einige der Brüder durchaus Verständnis, war ihnen doch bewusst, dass, wenn sie alle zusammen scheinen würden, sich zu viel Hitze über die Erde verbreiten würde. Gleichwohl blieben sie begierig nach mehr Abwechslung. Und so entschieden sie, dass sie sich am nächsten Tag gemeinsam auf den Weg machen und ihre Bahnen über den Himmel ziehen würden, damit jeder von ihnen uneingeschränkt die Schönheiten der Welt genießen könnte. Sie missachteten den Befehl des Himmelskaisers, um ihrem eitlen Vergnügen nachzugehen. Anderntags brannten alle zehn Sonnen vom Firmament herab, verbreiteten ein gleißendes Licht und eine gewaltige Hitze. Überall, in jeden Winkel, drangen die Strahlen der zehn Sonnen, und es blieb kein noch so winziges Fleckchen von ihnen verschont. Die Erde wurde versengt und trocknete mehr und mehr aus. Immer heißer wurde es, und alle Pflanzen, wild wachsenden und mühsam angebauten Feldfrüchte verdorrten in der sengenden Glut. Die Menschen litten unsäglich und flohen in die Berge, um dort in tiefen Höhlen Zuflucht zu suchen und Kühlung zu finden.

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Als dieses schreckliche Ereignis stattfand, regierte der gütige Kaiser Yáo das Land. Er wohnte bescheiden in einer einfachen Strohhütte und ernährte sich von Wurzeln, Kräutern und Reis. All seine Energie richtete er auf das Wohlergehen des Landes und seiner Bewohner. Angesichts der Dürre und des Leides der Menschen befiel ihn Verzweiflung und Trauer. Er bat die Sonnen inständig, sich doch wieder zurückzuziehen und nur einzeln, jede für sich, zu scheinen. Doch vergebens. Die egoistischen Brüder ignorierten seine flehentliche Bitte und brannten immer weiter und ohne Unterlass vom Himmel. Sie hatten auch noch größten Spaß daran, sich im Spiel gegenseitig über den Himmel zu jagen.

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堯:五帝的第四
Kaiser Yáo: der vierte der Fünf Kaiser

Kaiser Yáo sah keine andere Möglichkeit, als sich an den Himmelskaiser persönlich zu wenden und ihn um Hilfe zu bitten. Als dieser hörte, dass sich die Brüder seinem Befehl widersetzt hatten und am Himmel zum Leidwesen der Menschen ihr Unwesen trieben, geriet er in großen Zorn. Er rief den Himmlischen Bogenschützen, Hòuyì, zu sich und überreichte ihm einen roten Bogen sowie zehn weiße Pfeile. Damit trug er ihm auf, die ungehorsamen Sonnen unnachgiebig zu bestrafen.

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Schon bald hatte Hòuyì die erste der Sonnen abgeschossen. Die anderen neun flohen in Panik, doch es sollte ihnen nichts nützen. Treffsicher brachte Hòuyì nach und nach acht weitere Sonnen zum Absturz. Der Legende nach lebten in der Brust der Sonnenbrüder die dreibeinigen Sonnenraben. Diese Raben stürzten zusammen mit den getroffenen Sonnen auf die Erde und leben seither in der Menschenwelt.

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Als nur noch eine Sonne am Himmel übrig blieb, griff Kaiser Yáo ein und bremste den himmlischen Bogenschützen. „Hör auf“, sagte er zu ihm. „Eine Sonne ist für uns Menschen von großem Nutzen. Nur wenn es zu viele sind, verbreiten sie Unheil. Die eine, die noch übrig ist, sollten wir behalten.“ Hòuyì nickte zustimmend und steckte den zehnten Pfeil weg. Die letzte Sonne war vor Schreck ganz bleich geworden. Auf der Erde herrschten fortan wieder angenehme Temperaturen. Die Menschen verließen ihre Höhlen in den Bergen und kehrten wieder auf die Felder zurück.

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Die Furcht in den Herzen der Menschen vor neuem Übel war jedoch nicht völlig überwunden, und daher baten sie Hòuyì, doch noch eine Weile bei ihnen zu bleiben. Denn längst nicht alle Gefahren und Plagen in der Welt waren beseitigt. Es war nämlich gerade die Zeit, in der die wilden Tiere und Ungeheuer die Wälder verließen und die Menschen bedrohten. Nach einigem Zögern erklärte sich der himmlische Bogenschütze schließlich bereit, noch eine Zeit lang bei den Menschen auf der Erde zu verweilen.

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Und tatsächlich, schon bald nahte neues Unglück. Der Wassergott Hébō lebte in der Gestalt eines weißen Drachen in allen Gewässern. Wohin er sich auch begab, verursachte er alsbald Überschwemmungen und damit viel Not und großes Elend. Als Kaiser Yáo dies zu Ohren kam, bat er den Bogenschützen, auch dieses Unheil abzuwenden. Hòuyì machte sich ohne zu zögern ans Werk und besiegte den Unhold. Noch für lange Zeit wanderte Hòuyì durch die Welt und bezwang die Feinde der Menschen, damit diese sicher und in Ruhe leben konnten.

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Nun waren Himmel und Erde, Wolken und Meer geschaffen, aber noch war es finster überall, und aus dem Reiche der Riesen wehten eisige Lüfte. Da sprach Odin, der erstgeborene und vornehmste der Asen, zu seinen beiden Brüdern Hönir und Loki: „Unserer jungen Welt fehlen Licht und Wärme, und ohne diese können sich nicht blühendes Leben und holde Schönheit entfalten. Auf drum! Lasset uns Surtrs Feuerflammen einfangen, die funkelnd die Lüfte durchwirbeln, damit wir sie als leuchtende Gestirne ans Himmelsgewölbe setzen!“

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Das taten die drei göttlichen Brüder, und das Firmament erstrahlte im Lichte unzähliger Sterne. Die Nacht gebar den Tag, und Odin teilte unter beide die Zeit. Außer den zahllosen Gestirnen hatten die Asen auch zwei große Sterne geschaffen, doch hatten sie ihnen ihren Platz am Himmel noch nicht zugewiesen. Da nehmen sie die beiden Kinder des überheblichen Mundilföri, einen Knaben und ein Mädchen, und übertrugen ihnen die beiden großen Gestirne. Fortan fuhr das Mädchen den Sonnenwagen, ihr Bruder den Wagen des Mondes.

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Unter den warmen Strahlen der Sonne bedeckte sich Midgard im Laufe der Zeiten mit Gräsern und Kräutern, Blumen und rauschenden Wäldern. Große und kleine Tiere begannen es zu bevölkern. Allein noch fehlte darin der Mensch, das Ebenbild der Götter, dem diese das Land in der Mitte der Erde zur Heimstatt bestimmt hatten.

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Eines Tages gingen Odin, Hönir und Loki am Meeresstrande entlang und kamen zu zwei Bäumen, der Esche und der Ulme. „Aus diesen beiden Bäumen“, sprach Odin zu seinen Brüdern, „lasset uns Menschen machen, auf dass Midgard, die schöne fruchtbare Erde, von ihnen und ihren Nachkommen bewohnt und bebaut werde und wir an ihrem Tun und Treiben, Ringen und Sterben, Blühen und Gedeihen Freude haben!“

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So sprach Odin, der Allvater, und sie schufen aus der Esche einen Mann und aus der Ulme ein Weib. Odin verlieh ihnen Geist und Leben, Hönir gab Verstand und Bewegung hinzu, Loki spendete ihnen die Sinne, Gefühle, blühende Farbe und Sprache.

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So stand das erste Menschenpaar vor den Göttern, und Odin streckte seine Hand aus über Midgard und sprach zu den Neuerschaffenen: „Seht! Dies Land ist eure Heimat! Hier sollt ihr fortan wohnen, Tiere züchten und zähmen, das Land bebauen und die Früchte der Bäume und des Feldes essen – ihr und eure Kinder und Kindeskinder!“ Da folgten sie seinem Gebot; und von ihnen stammen alle Völker germanischer Zunge, welche das weite Midgard bewohnen.

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Von den Höhen des Olymps herab legte Zeus die Regeln und Gesetze für den Himmel und die Erde fest. Er achtete streng darauf, dass die Menschen sie befolgten. Doch Zeus hatte noch viele andere Sorgen und besaß darum Helferinnen. Stets befand sich in der Nähe seines Thrones die Titanin Themis, die Göttin der Rechtsordnung und der Gerechtigkeit. Auf Geheiß des Zeus rief sie die Götter zu Beratungen zusammen. Sie war auch verantwortlich für die Versammlungen des Volkes auf der Erde und wachte dabei über die Einhaltung von Recht und Gesetz.

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Eine Tochter des Zeus und der Themis war die unermüdliche Dike, eine der Horen. Mit ihrer Waage sorgte sie wachen Auges für die Einhaltung der gesetzlichen Ordnung. Ihrem Vater Zeus berichtete sie über Handlungen ungerechter Richter. Und dieser bestrafte jedermann, der die von ihm erlassenen Gesetze nicht einhielt. Dike war eine Feindin des Verrats und der Lüge. Sie schützte die Wahrheit und die Gerechtigkeit. Aufs genaueste wägte sie die ungerechten und gerechten Handlungen der Menschen gegeneinander ab, damit Zeus sie bestrafen oder belohnen konnte und die Gerechtigkeit triumphierte.

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Die Waage seiner Tochter versetzte Zeus an den Himmel. So geriet unter die Sternbilder des Tierkreises auch eines, das die Menschen stets daran erinnern soll, die Gesetze streng einzuhalten und sich in allen Handlungen von der Gerechtigkeit leiten zu lassen.

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Waage (Libra) — 23.9.–22.10.

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altes Schwitzhaus

Die Menschen waren so zahlreich wie die Drosseln; keiner starb, es gab keinen Tod durch Zauberei, und niemand wusste, was Weinen ist. Zwar wurden die Menschen alt, aber sie starben nicht, Männer so wenig wie Frauen. Einst regnete es, und alle Menschen gingen zusammen ins Schwitzhaus. Dann kam der Schnee.

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Der Kojote, der einen Sohn hatte, sprach zu den drei Männern, die auf der Südseite des Schwitzhauses saßen: „Wir wollen die Menschen sterben lassen.“ Die Eidechse ließ den Kopf hängen; bei ihr saßen das Waldkaninchen und das Graueichhörnchen, und alle drei waren traurig, als der Kojote weiter sagte: „Es ist gut, wenn die Menschen sterben.“

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„Die Menschen sollen nicht sterben“, erwiderte die Eidechse, „wir wollen nicht weinen, wenn die Menschen sterben, aber sie sollen wieder zum Leben erwachen. Wir wollen sie, wenn sie tot sind, in der Erde begraben, aber sie sollen wieder auferstehen, und deshalb wollen wir sie auch nicht zu tief begraben.“

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„Warum sollen denn die Menschen wieder zum Leben zurückkehren?“ fragte der Kojote. „Lass sie nur wirklich tot sein, wenn sie sterben; wenn einer stirbt, wollen wir weinen: hu-u-u! Und so sollen es die Menschen künftig auch machen. Und dann sollen sie sich Pech in die Augen schmieren und weiße Tonerde auflegen und dadurch ihre Trauer zeigen.“ Was konnte die Eidechse dagegen sagen? Sie war geschlagen.

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Es schneite, und die Bäume waren ganz mit Schnee bedeckt. Die Eidechse, das Graueichhörnchen und das Waldkaninchen flüsterten miteinander. Die Menschen gingen nicht aus dem Hause hinaus, weil sie sich vor dem Schnee fürchteten, und drängten sich dicht im Schwitzhaus zusammen. Da wurde ein Mann krank; die Eidechse hatte das bewirkt. Er starb. Der Kojote sagte nichts, und niemand weinte um den Toten. „Was sollen wir mit dem Leichnam anfangen?“ fragte das Waldkaninchen.

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„Wir wollen ihn begraben.“ „Wo sollen wir ihn begraben? Draußen liegt zu viel Schnee.“ „Begrabt ihn hier im Schwitzhaus, auf der Südseite.“ Sie gruben ein Loch und legten ihn hinein, aber nicht sehr tief; dann bedeckten sie ihn mit Erde, während der Schnee draußen noch immer fiel. Bald danach begann sich die Erde über dem Grabe leicht zu bewegen; der Kojote saß da und schaute hin. Es war der Tote, der sich in seinem Grabe rührte; er versuchte auf diese Weise wieder ins Leben zurückzukehren. Der Kojote ließ das Grab nicht aus den Augen. Schon richtete sich der Tote halb im Grabe auf, da sprang der Kojote mit einem Satz empor, stürzte sich auf den Toten und stieß ihn wieder ins Grab hinein. „Stirb!“ schrie er, hob seine Fuß und trampelte den Toten nieder. „Warum willst du zurück ins Leben? Stirb! Stirb!“

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Niemand sagte ein Wort. Der Kojote kehrte dahin zurück, wo er gesessen hatte, und ließ sich wieder auf der Südseite des Schwitzhauses nieder. Noch immer behielt er das Grab in den Augen, aber nichts regte sich mehr darin; nun war der Mann wirklich tot. „Auf! Weint und schreit!“ rief der Kojote. „Der Mann ist tot. Wir werden ihn nie wiedersehen. Vorwärts! Trauerpech her! Vorwärts! Schmiert euch Pech aufs Gesicht!“

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Die Menschen hatten die Totentrauer beendet. „Lasst uns nun Hirsche jagen gehen“, sagten sie. Ein junger Mann, des Kojoten Sohn, ging mit ihnen auf die Jagd. „Was fangen wir mit ihm an? Lasst uns auch einmal den Kojoten zum Weinen bringen!“ sagten die Leute. Ein Pfad war da, der nach Osten führte. In einiger Entfernung stand eine Gelbfichte, und der Pfad lief dicht an ihr vorüber.

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„Was tun wir? Lasst uns eine Klapperschlange machen!“ So geschah es, und die Klapperschlange ringelte sich sogleich um einen Baum. Sie schärften der Klapperschlange ein, was sie zu tun habe, und legten sie an der Gelbfichte nieder. Jung-Kojote kam auf dem Pfade vom Westen daher; Als er der Klapperschlange nahe war, sprang diese plötzlich auf ihn und ringelte sich um seine Beine. Er schrie, aber die Schlange zog ihn nieder und biss ihn, dass er starb.

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„Dein Sohn ist tot“, sagten die Menschen zum Kojoten. „Wo?“ „Er liegt im Osten, getötet durch den Biss der Klapperschlange.“ Der Kojote rief: „Es kann nicht sein!“ und brach in Tränen aus. Er sprang umher, streute Staub auf sein Gesicht und benahm sich wie ein Wahnsinniger, während die Menschen Jung-Kojote nach Hause brachten.

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Der Kojote sprach zur Eidechse, indes er seinen Trauertanz tanzte: „Wehe, wehe, wehe! Freund, du sagtest, du wolltest die Menschen wieder aufleben lassen, nachdem sie gestorben seien. Gib meinem Sohn das Leben wieder! Ich mag nicht so viel weinen. Gib ihm das Leben zurück!“ „Hm, hm!“ machte das Waldkaninchen. „Weine nur, weine! Du prahlst ja damit, dass du so gerne weinen würdest! Lass nur deine Tränen fließen! Tue weiße Tonerde auf dein Antlitz! Sagtest du nicht, du würdest weinen, wenn dein Bruder stürbe? Weine nur, weine!“

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Es ist lange, lange her. Tombo Mukullu wurde eines Tages klein wie ein Kind. Die Haut war ganz schmutzig. Ein anderes Mal ward Tombo Mukullu eine Frau mit schweren Brüsten. Ein anderes Mal ward er ein eintägiges Kind; aber die Haare wuchsen, wuchsen, wuchsen – sie wuchsen weit vom Kopfe ab.

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Es war einmal sehr, sehr schlecht. Alles Volk hatte nichts zu essen. Man hatte Maniok gesteckt und Erdnüsse, aber es kam kein Regen. Es kam kein Regen. Alles Volk hatte großen Hunger. Das Volk sagte: „Wir wollen zu Tombo Mukullu gehen und um Regen bitten.“

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Alle Leute machten sich mit Speer und Keule auf den Weg zu Tombo Mukullu. Der sah die Menschen kommen und glaubte, sie kämen zum Kriege gegen ihn. Die Leute baten aber und sagten: „Gib uns Regen!“ Er sagte zu ihnen: „Bleibt!“ Dann sprach er zu seiner Frau: „Bereite zwei Schüsseln mit Speise!“ Die Frau tat es: sie machte zwei Schüsseln mit Speise.

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Die Frau brachte die Speise. Es waren nur die beiden Schüsseln. Alles Volk kam heran. Alle lagerten sich. Sie sagten: „Es sind nur zwei Schüsseln!“ Sie aßen. Und aßen und aßen und aßen. Es waren viele Menschen, viele, viele, viele. Da waren nur zwei Schüsseln mit Speise. Die Leute aßen alle, sie aßen sehr viel. Sie wurden miteinander satt, und die beiden Schüsseln waren immer noch ganz voll. Tombo Mukullu ging in die Hütte. Er nahm einen großen Eingeborenenstoff und begann, die Leute zu kleiden. Er gab allen Menschen Kleider. Der Stoff nahm kein Ende. Alle schnitten sich davon ab, und er wurde doch nicht alle. Tombo Mukullu aber sagte: „Ihr sollt auch Gürtelschnur haben!“ Er ging hinein und kam mit einem kleinen Stück Schnur wieder. Alle schnitten von der Schnur ab, alle banden den Hüftschurz fest. Die Schnur nahm kein Ende.

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Tombo Mukullu sagte: „Ihr seid alle meine Kinder! Ich speise euch, ich kleide euch. Ich will euch Regen geben.“ Und er sprach zum Wind: „Lass regnen!“ Und er sprach zu den Leuten: „Lasst ab vom Streit!“ Zuletzt sagte er zu den Menschen: „Es wird noch heute regnen. Geht jetzt!“ Die Leute gingen, und der Regen machte sie alle ganz nass. Aber Tombo Mukullu hatte alle seine Leute eingekleidet.

CHINESEN: Lǎozǐ

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Lǎozǐ ist eigentlich älter als Himmel und Erde. Er ist der gelbe Alte, der mit den anderen vier die Welt geschaffen hat. Zu verschiedenen Zeiten aber hat er sich auf der Erde unter verschiedenen Namen gezeigt. Seine berühmte Menschwerdung ist jedoch die als „altes Kind“, Lǎozǐ, mit dem Namen Lǐ, „Pflaume“. Das ging so zu:

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Seine Mutter empfing ihn auf übernatürliche Weise und trug ihn zweiundsiebzig Jahre lang. Als er geboren wurde, kam er aus der linken Achselhöhle seiner Mutter hervor. Er hatte gleich von Anfang an weißes Haar, darum nannte man ihn altes Kind. Auch konnte er schon sprechen. Da er keinen menschlichen Vater hatte, deutete er auf den Pflaumenbaum, unter dem er zur Welt gekommen war, und sprach: „Dies soll mein Name sein!“

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Er erlangte große Zauberkünste, durch die er sein Leben verlängerte. Einst dingte er einen Knecht zu seinem Dienst. Mit dem war er eins, dass er ihm täglich hundert Kupferstücke geben wollte; Doch bezahlte er ihn nicht aus und war ihm schließlich sieben Millionen zweihunderttausend Kupferstücke schuldig. Da bestieg er einen schwarzen Stier und ritt nach Westen. Er wollte seinen Knecht mitnehmen. Als sie aber an den Hángǔ-Pass kamen, weigerte sich der Knecht und verlange seine Bezahlung. Doch Lǎozǐ gab ihm nichts.

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Als sie sich dem Hause des Passwächters näherten, zeigten sich am Himmel rote Wolken. Der Passwächter verstand das Zeichen und wusste, dass ein Heiliger nahte. So ging er ihm entgegen und nahm ihn in seinem Hause auf. Er fragt ihn nach geheimer Weisheit, Lǎozǐ aber streckte die Zunge weit heraus und sagte nichts. Dennoch beherbergte ihn der Passwächter aufs Ehrerbietigste in seiner Wohnung.

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Lǎozǐs Knecht erzählte dem Diener des Passwächters, dass sein Herr ihm noch viel Geld schuldig sei, und bat, ein gutes Wort für ihn einzulegen. Als der Diener von der großen Summe hörte, lockte es ihn, so einen reichen Mann zum Schwiegersohn zu haben, und er gab ihm seine Tochter zur Frau. Schließlich hörte der Passwächter von der Sache und er trat mit dem Knecht zusammen vor Lǎozǐ.

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Da sprach Lǎozǐ zu seinem Knecht: „Du Schalksknecht! Du wärst eigentlich schon lange tot. Ich habe dich gedingt, und da ich arm war und dir kein Geld geben konnte, habe ich dir einen Zauber des Lebens zu essen gegeben. Darum bist du noch heute am Leben. Ich sagte dir: ‚Wenn du mir nach Westen ins Reich der seligen Ruhe nachfolgst, dann will ich dir deinen Lohn in gelbem Golde auszahlen.‘ Du aber hast es nicht gewollt.“ Damit klopfte er dem Knecht auf den Nacken. Da öffnete der den Mund und spie den Zauber des Lebens auf die Erde. Noch sah man darauf die Zeichen mit Zinnober geschrieben, wohlerhalten – wie neu. Der Knecht aber brach plötzlich zusammen und verwandelte sich in einen Haufen trockenen Gebeins.

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Der Passwächter warf sich zur Erde und legte Fürbitte für ihn ein. Er versprach, für Lǎozǐ den Knecht zu bezahlen und bat, er solle ihn wieder lebendig machen. Da tat Lǎozǐ den Zauber unter die Knochen, und augenblicklich war der Knecht wieder zum Leben erweckt. Der Passwächter entlohnte nun den Knecht und ließ ihn gehen. Dann verehrte er den Lǎozǐ als seinen Meister, und Lǎozǐ teilte ihm die Kunst des ewigen Lebens mit und hinterließ ihm seine Lehre in fünftausend Worten, die der Passwächter niederschrieb. Das Buch, das so entstand ist das Buch Dàodéjīng, „Vom Weg und der Tugend“. Lǎozǐ entschwand darauf den Blicken der Menschen. Der Passwächter aber hat seine Lehre befolgt und wurde unter die Unsterblichen versetzt.

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老子天下第一
(Lǎozǐ ist unter dem Himmel die Nummer 1)

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In alter Zeit gab es zwei Sonnen. Ging die eine unter, so ging die andere auf. Da das Aufgehen der einen Sonne und das Untergehen der anderen immer innerhalb eines Tages geschah, gab es keine Nacht. Beständig herrschte heller Tag, und die Menschen litten schwer unter der großen Hitze. Säten sie die Samen auf den Äckern aus, so ging die Saat wegen der Hitze nicht auf. Man war gezwungen, Schutzmatten zu flechten, um die Felder vor den Strahlen der Sonnen zu schützen.

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Der Himmel war damals so niedrig, dass man sich vorsehen musste, um nicht mit der Stampfkeule anzustoßen, wenn man Hirse stampfte. Als einmal ein Mann Hirsebier braute, goss er das dabei benutzte Wasser auf die eine der beiden Sonnen. Sie konnte die Kälte des Wassers nicht vertragen, wurde krank, verlor ihren Glanz und wurde zum Mond, nachdem sie sich abgekühlt hatte. Einmal nahmen die Menschen alle ihre Kräfte zusammen und stemmten den Himmel nach oben, bis er seine jetzige Höhe erreichte. Seitdem lässt es sich leicht unter ihm arbeiten.