Mythologie der Welt

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KALIFORNISCHE YANA: Wie der Tod in die Welt kam

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altes Schwitzhaus

Die Menschen waren so zahlreich wie die Drosseln; keiner starb, es gab keinen Tod durch Zauberei, und niemand wusste, was Weinen ist. Zwar wurden die Menschen alt, aber sie starben nicht, Männer so wenig wie Frauen. Einst regnete es, und alle Menschen gingen zusammen ins Schwitzhaus. Dann kam der Schnee.

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Der Kojote, der einen Sohn hatte, sprach zu den drei Männern, die auf der Südseite des Schwitzhauses saßen: „Wir wollen die Menschen sterben lassen.“ Die Eidechse ließ den Kopf hängen; bei ihr saßen das Waldkaninchen und das Graueichhörnchen, und alle drei waren traurig, als der Kojote weiter sagte: „Es ist gut, wenn die Menschen sterben.“

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„Die Menschen sollen nicht sterben“, erwiderte die Eidechse, „wir wollen nicht weinen, wenn die Menschen sterben, aber sie sollen wieder zum Leben erwachen. Wir wollen sie, wenn sie tot sind, in der Erde begraben, aber sie sollen wieder auferstehen, und deshalb wollen wir sie auch nicht zu tief begraben.“

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„Warum sollen denn die Menschen wieder zum Leben zurückkehren?“ fragte der Kojote. „Lass sie nur wirklich tot sein, wenn sie sterben; wenn einer stirbt, wollen wir weinen: hu-u-u! Und so sollen es die Menschen künftig auch machen. Und dann sollen sie sich Pech in die Augen schmieren und weiße Tonerde auflegen und dadurch ihre Trauer zeigen.“ Was konnte die Eidechse dagegen sagen? Sie war geschlagen.

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Es schneite, und die Bäume waren ganz mit Schnee bedeckt. Die Eidechse, das Graueichhörnchen und das Waldkaninchen flüsterten miteinander. Die Menschen gingen nicht aus dem Hause hinaus, weil sie sich vor dem Schnee fürchteten, und drängten sich dicht im Schwitzhaus zusammen. Da wurde ein Mann krank; die Eidechse hatte das bewirkt. Er starb. Der Kojote sagte nichts, und niemand weinte um den Toten. „Was sollen wir mit dem Leichnam anfangen?“ fragte das Waldkaninchen.

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„Wir wollen ihn begraben.“ „Wo sollen wir ihn begraben? Draußen liegt zu viel Schnee.“ „Begrabt ihn hier im Schwitzhaus, auf der Südseite.“ Sie gruben ein Loch und legten ihn hinein, aber nicht sehr tief; dann bedeckten sie ihn mit Erde, während der Schnee draußen noch immer fiel. Bald danach begann sich die Erde über dem Grabe leicht zu bewegen; der Kojote saß da und schaute hin. Es war der Tote, der sich in seinem Grabe rührte; er versuchte auf diese Weise wieder ins Leben zurückzukehren. Der Kojote ließ das Grab nicht aus den Augen. Schon richtete sich der Tote halb im Grabe auf, da sprang der Kojote mit einem Satz empor, stürzte sich auf den Toten und stieß ihn wieder ins Grab hinein. „Stirb!“ schrie er, hob seine Fuß und trampelte den Toten nieder. „Warum willst du zurück ins Leben? Stirb! Stirb!“

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Niemand sagte ein Wort. Der Kojote kehrte dahin zurück, wo er gesessen hatte, und ließ sich wieder auf der Südseite des Schwitzhauses nieder. Noch immer behielt er das Grab in den Augen, aber nichts regte sich mehr darin; nun war der Mann wirklich tot. „Auf! Weint und schreit!“ rief der Kojote. „Der Mann ist tot. Wir werden ihn nie wiedersehen. Vorwärts! Trauerpech her! Vorwärts! Schmiert euch Pech aufs Gesicht!“

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Die Menschen hatten die Totentrauer beendet. „Lasst uns nun Hirsche jagen gehen“, sagten sie. Ein junger Mann, des Kojoten Sohn, ging mit ihnen auf die Jagd. „Was fangen wir mit ihm an? Lasst uns auch einmal den Kojoten zum Weinen bringen!“ sagten die Leute. Ein Pfad war da, der nach Osten führte. In einiger Entfernung stand eine Gelbfichte, und der Pfad lief dicht an ihr vorüber.

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„Was tun wir? Lasst uns eine Klapperschlange machen!“ So geschah es, und die Klapperschlange ringelte sich sogleich um einen Baum. Sie schärften der Klapperschlange ein, was sie zu tun habe, und legten sie an der Gelbfichte nieder. Jung-Kojote kam auf dem Pfade vom Westen daher; Als er der Klapperschlange nahe war, sprang diese plötzlich auf ihn und ringelte sich um seine Beine. Er schrie, aber die Schlange zog ihn nieder und biss ihn, dass er starb.

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„Dein Sohn ist tot“, sagten die Menschen zum Kojoten. „Wo?“ „Er liegt im Osten, getötet durch den Biss der Klapperschlange.“ Der Kojote rief: „Es kann nicht sein!“ und brach in Tränen aus. Er sprang umher, streute Staub auf sein Gesicht und benahm sich wie ein Wahnsinniger, während die Menschen Jung-Kojote nach Hause brachten.

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Der Kojote sprach zur Eidechse, indes er seinen Trauertanz tanzte: „Wehe, wehe, wehe! Freund, du sagtest, du wolltest die Menschen wieder aufleben lassen, nachdem sie gestorben seien. Gib meinem Sohn das Leben wieder! Ich mag nicht so viel weinen. Gib ihm das Leben zurück!“ „Hm, hm!“ machte das Waldkaninchen. „Weine nur, weine! Du prahlst ja damit, dass du so gerne weinen würdest! Lass nur deine Tränen fließen! Tue weiße Tonerde auf dein Antlitz! Sagtest du nicht, du würdest weinen, wenn dein Bruder stürbe? Weine nur, weine!“

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