Mythologie der Welt

Archiv für die Kategorie ‘Magische Kräfte’

KONGOLESISCHE BALUBA: Tombo Mukullu

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Es ist lange, lange her. Tombo Mukullu wurde eines Tages klein wie ein Kind. Die Haut war ganz schmutzig. Ein anderes Mal ward Tombo Mukullu eine Frau mit schweren Brüsten. Ein anderes Mal ward er ein eintägiges Kind; aber die Haare wuchsen, wuchsen, wuchsen – sie wuchsen weit vom Kopfe ab.

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Es war einmal sehr, sehr schlecht. Alles Volk hatte nichts zu essen. Man hatte Maniok gesteckt und Erdnüsse, aber es kam kein Regen. Es kam kein Regen. Alles Volk hatte großen Hunger. Das Volk sagte: „Wir wollen zu Tombo Mukullu gehen und um Regen bitten.“

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Alle Leute machten sich mit Speer und Keule auf den Weg zu Tombo Mukullu. Der sah die Menschen kommen und glaubte, sie kämen zum Kriege gegen ihn. Die Leute baten aber und sagten: „Gib uns Regen!“ Er sagte zu ihnen: „Bleibt!“ Dann sprach er zu seiner Frau: „Bereite zwei Schüsseln mit Speise!“ Die Frau tat es: sie machte zwei Schüsseln mit Speise.

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Die Frau brachte die Speise. Es waren nur die beiden Schüsseln. Alles Volk kam heran. Alle lagerten sich. Sie sagten: „Es sind nur zwei Schüsseln!“ Sie aßen. Und aßen und aßen und aßen. Es waren viele Menschen, viele, viele, viele. Da waren nur zwei Schüsseln mit Speise. Die Leute aßen alle, sie aßen sehr viel. Sie wurden miteinander satt, und die beiden Schüsseln waren immer noch ganz voll. Tombo Mukullu ging in die Hütte. Er nahm einen großen Eingeborenenstoff und begann, die Leute zu kleiden. Er gab allen Menschen Kleider. Der Stoff nahm kein Ende. Alle schnitten sich davon ab, und er wurde doch nicht alle. Tombo Mukullu aber sagte: „Ihr sollt auch Gürtelschnur haben!“ Er ging hinein und kam mit einem kleinen Stück Schnur wieder. Alle schnitten von der Schnur ab, alle banden den Hüftschurz fest. Die Schnur nahm kein Ende.

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Tombo Mukullu sagte: „Ihr seid alle meine Kinder! Ich speise euch, ich kleide euch. Ich will euch Regen geben.“ Und er sprach zum Wind: „Lass regnen!“ Und er sprach zu den Leuten: „Lasst ab vom Streit!“ Zuletzt sagte er zu den Menschen: „Es wird noch heute regnen. Geht jetzt!“ Die Leute gingen, und der Regen machte sie alle ganz nass. Aber Tombo Mukullu hatte alle seine Leute eingekleidet.

CHINESEN: Lǎozǐ

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Lǎozǐ ist eigentlich älter als Himmel und Erde. Er ist der gelbe Alte, der mit den anderen vier die Welt geschaffen hat. Zu verschiedenen Zeiten aber hat er sich auf der Erde unter verschiedenen Namen gezeigt. Seine berühmte Menschwerdung ist jedoch die als „altes Kind“, Lǎozǐ, mit dem Namen Lǐ, „Pflaume“. Das ging so zu:

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Seine Mutter empfing ihn auf übernatürliche Weise und trug ihn zweiundsiebzig Jahre lang. Als er geboren wurde, kam er aus der linken Achselhöhle seiner Mutter hervor. Er hatte gleich von Anfang an weißes Haar, darum nannte man ihn altes Kind. Auch konnte er schon sprechen. Da er keinen menschlichen Vater hatte, deutete er auf den Pflaumenbaum, unter dem er zur Welt gekommen war, und sprach: „Dies soll mein Name sein!“

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Er erlangte große Zauberkünste, durch die er sein Leben verlängerte. Einst dingte er einen Knecht zu seinem Dienst. Mit dem war er eins, dass er ihm täglich hundert Kupferstücke geben wollte; Doch bezahlte er ihn nicht aus und war ihm schließlich sieben Millionen zweihunderttausend Kupferstücke schuldig. Da bestieg er einen schwarzen Stier und ritt nach Westen. Er wollte seinen Knecht mitnehmen. Als sie aber an den Hángǔ-Pass kamen, weigerte sich der Knecht und verlange seine Bezahlung. Doch Lǎozǐ gab ihm nichts.

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Als sie sich dem Hause des Passwächters näherten, zeigten sich am Himmel rote Wolken. Der Passwächter verstand das Zeichen und wusste, dass ein Heiliger nahte. So ging er ihm entgegen und nahm ihn in seinem Hause auf. Er fragt ihn nach geheimer Weisheit, Lǎozǐ aber streckte die Zunge weit heraus und sagte nichts. Dennoch beherbergte ihn der Passwächter aufs Ehrerbietigste in seiner Wohnung.

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Lǎozǐs Knecht erzählte dem Diener des Passwächters, dass sein Herr ihm noch viel Geld schuldig sei, und bat, ein gutes Wort für ihn einzulegen. Als der Diener von der großen Summe hörte, lockte es ihn, so einen reichen Mann zum Schwiegersohn zu haben, und er gab ihm seine Tochter zur Frau. Schließlich hörte der Passwächter von der Sache und er trat mit dem Knecht zusammen vor Lǎozǐ.

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Da sprach Lǎozǐ zu seinem Knecht: „Du Schalksknecht! Du wärst eigentlich schon lange tot. Ich habe dich gedingt, und da ich arm war und dir kein Geld geben konnte, habe ich dir einen Zauber des Lebens zu essen gegeben. Darum bist du noch heute am Leben. Ich sagte dir: ‚Wenn du mir nach Westen ins Reich der seligen Ruhe nachfolgst, dann will ich dir deinen Lohn in gelbem Golde auszahlen.‘ Du aber hast es nicht gewollt.“ Damit klopfte er dem Knecht auf den Nacken. Da öffnete der den Mund und spie den Zauber des Lebens auf die Erde. Noch sah man darauf die Zeichen mit Zinnober geschrieben, wohlerhalten – wie neu. Der Knecht aber brach plötzlich zusammen und verwandelte sich in einen Haufen trockenen Gebeins.

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Der Passwächter warf sich zur Erde und legte Fürbitte für ihn ein. Er versprach, für Lǎozǐ den Knecht zu bezahlen und bat, er solle ihn wieder lebendig machen. Da tat Lǎozǐ den Zauber unter die Knochen, und augenblicklich war der Knecht wieder zum Leben erweckt. Der Passwächter entlohnte nun den Knecht und ließ ihn gehen. Dann verehrte er den Lǎozǐ als seinen Meister, und Lǎozǐ teilte ihm die Kunst des ewigen Lebens mit und hinterließ ihm seine Lehre in fünftausend Worten, die der Passwächter niederschrieb. Das Buch, das so entstand ist das Buch Dàodéjīng, „Vom Weg und der Tugend“. Lǎozǐ entschwand darauf den Blicken der Menschen. Der Passwächter aber hat seine Lehre befolgt und wurde unter die Unsterblichen versetzt.

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Laozi-rock
老子天下第一
(Lǎozǐ ist unter dem Himmel die Nummer 1)